SuperVision! MODULE


Modul B
Sonja Radatz: Relationales Coaching für Führungskräfte und BeraterInnen
09.06.2017 9.00-17.00 (8EH)

Zusammengefasst von Martin Ritsch

Erfrischend, zurücklehnend und mit einem radikalen Blick nach vorne: so kann Coaching auch sein.Sonja Radatz hat uns mit einem fundierten theoretischen Hintergrund und vielen Beispielen und Demonstrationen ihre Art von Coaching näher gebracht.

Und sie hält nicht viel von langen Analysen, das hält einen einfach nur auf und zementiert eher vorhandene Muster und kann dadurch sogar Lösungen blockieren. Eine kurze Analyse genügt, dann ist es wichtig den Auftrag zu verhandeln und dann geht’s schon los im Gestalten des neuen Lebens.

Nach Radatz sollten wir uns von der Vorstellung lösen, es gäbe so etwas wie eine Persönlichkeit. Vielmehr ist es sinnvoll davon auszugehen, dass es nur Selbstbeschreibungen oder Selbstzuschreibungen gibt – und die können wir selber gestalten. Und wenn wir nicht selber gestalten, dann werden wir gestaltet, wie ein neuer Buchtitel von ihr klar postuliert.

Daher ist es auch nicht sinnvoll neugierig zu sein, keine Reporter-Fragen, die führen mehr ins Problem als in die Lösung. Der Coachee erzählt dann nur das, was er ohnehin schon selber weiß. Ein Coach im Radatz-Stil stellt Denkfragen. Wenn es uns gelingt, das Gegenüber zum Denken zu bringen, dann stimmt die Richtung.

Sonja Radatz unterscheidet Coaching und Begleitung als unterschiedliche Beratungsformate. Coaching kann im wesentlichen in einer Sitzung erfolgen, auch bei schwierigen Themen und Problemen. Begleitung ist geeignet für Führungskräfte, die immer wieder kommen können, um neue Lösungen für Probleme zu erarbeiten. Hier hat der Coach auch Mitverantwortung für die Lösung. Und gerade auch in diesem Bereich ist es sinnvoll, Ideen einzubringen – im Gegensatz zu Ratschlägen. Ratschläge ignorieren im schlimmsten Fall die Bedürfnisse und Wünsche des Coachee und werden mehr übergestülpt. Ideen laden ein!

Der klassische Ablauf des relationalen Coachings:
1. Worum geht’s? (kurze Analyse)
2. Auftrag holen
3. Optimalszenario und Optimalbild entwickeln
4. Skalierungsfragen (Achtung kein Stufenmodell, es geht um „unterschiedliche Schubladen“!)
5. wenn man noch will: Zusammenfassung (keine langen Nachsätze oder Anweisungen)

Das Optimalszenario wird mit der Frage „Als wen würden Sie sich ab heute beschreiben in ihrem optimalen Zustand (privat oder Beruf)?“ klar herausgearbeitet und möglichst plastisch beschrieben.
Das Ziel dabei ist „die Pixel zu erhöhen“ - beginnend bei verschwommenen Ideen - bis die Klarheit des Bildes von selber beginnt zu wirken.
Und jedeR hat eigentlich dieses Bild schon in sich. „Dann bin ich ganz wer anderer.“

Im Seminar hat Sonja Radatz dann viele unterschiedliche kreative Ansätze, Settings und Werkzeuge vorgestellt, die im relationalen Coaching möglich sind – darunter viel Bekanntes aus dem systemischem Bereich, immer aber speziell getrimmt auf ihren eigenen Ansatz.

Sonja Radatz erhebt nicht den Anspruch, dass ihr Ansatz der einzig wahre Weg ist. Sie möchte anregen und neugierig machen, Dinge anders anzupacken und hat uns ermuntert, ein eigenes Theorie-Gebäude zu entwickeln, das zu einem selber am besten passt – und dies dann konsequent anzuwenden!